Oktober

 

Thema: Anerkennung

Eine kleine wilde Frau - Kurzgeschichte

Sie will Anerkennung

 

Manchmal sind wir uns selbst nicht genug.

 

Sie sitzt da wie ein begossener Pudel. Morgens hatte sie mit ihrer Mutter telefoniert; sie hatte ihr von der Arbeit, ihrem Freund und ihrem Alltag erzählt. Nichts davon war gut genug für die Mutter gewesen, für alles hatte sie eine bessere Lösung, obwohl keine Lösung erforderlich war. Nach dem Gespräch war sie frustriert und grübelte die ganze Zeit darüber nach, wie sie zeigen sollte, dass sie eine erfolgreiche Frau war. Und dann war ihr auch noch die Nachbarin über den Weg gelaufen. Sie schlug ihr vor, diese ehrenamtliche Tätigkeit zu übernehmen. Die Nachbarin war der Meinung, dass das doch gut zu ihr passen würde. Sie fand das überhaupt nicht. Die Tätigkeit war an Anspruchslosigkeit kaum zu überbieten und überhaupt, was dachte die Nachbarin über sie! Sie war eine vielbeschäftigte Frau, sie hatte gar keine Zeit eine weitere Aufgabe zu übernehmen. Und was soziale Projekte anging, da kümmerte sie sich schon um eine ältere Dame im Nachbarort. Was dachte die Nachbarin nur, etwa dass sie den ganzen Tag Zeit und nichts zu tun hätte?

 

 

Sie ärgert sich. Niemand schien zu erkennen, was sie jeden Tag leistete. Selbst die Mutter ihres Freundes sagte zwar neulich „...ich weiß nicht, wie du das alles schaffst...“, aber sie hatte trotzdem das Gefühl, dass diese es nicht wirklich so meinte. Dann würde sie ihr doch auch mal ihre Hilfe anbieten. Nein, es war schon so, sie wurde von niemandem anerkannt, sie war ganz allein auf sich gestellt, niemand würdigte, was sie tagtäglich leistete. Keiner...

 

"Du“, unterbrach die kleine wilde Frau ihre Gedanken. „Du hast doch gerade dieses Thema Anerkennung und dich beweisen müssen oder?" "Ja" antwortet sie. "Von wem möchtest du denn anerkannt werden?" fragt die kleine wilde Frau. "Na von allen natürlich!" erklärt sie. Die kleine wilde Frau hakt nach. "Von wem konkret?" "Ja, konkret von allen!“ Die kleine wilde Frau läßt nicht locker. „Namen bitte.“ „Also von meiner Mutter z. B. oder von der Mutter meines Freundes und von der Nachbarin auch, von der ganz besonders...“ und während sie antwortet wird ihr ganz warm ums Herz und ein Lächeln breitet sich in ihrem Geicht aus. Mit einem "alles klar" verabschiedet sich die kleine wilde Frau.

 

 

 

 

Ein paar Tage später kommt die kleine wilde Frau wieder vorbei. Wie so oft, will sie nachhaken. "Du, mir ist noch was eingefallen. Wie sieht das dann aus, wenn die dich anerkennen, also z. B. die Nachbarin. Ruft sie dann "oh, da kommt die tolle ...", wenn sie dich sieht oder fällt sie auf die Knie und küsst dir die Füsse oder..???"

Sie grinst wie ein Breitmaulfrosch „Hey, ich hab’s verstanden!“ „Gut, freut mich“, antwortet die kleine wilde frau, „weißt du, Anerkennung braucht jeder Mensch, nur, mach dich nicht zur Dienerin aller.“

 

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